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Aufruf zu Zivilcourage: Anneliese Knoop-Graf in der KGS. BB

„Er gab uns Kraft, nicht umgekehrt“

Anneliese Knoop-Graf über ihren 1943 hingerichteten Bruder


Göttingen (hein). Ihr Bruder war 25 Jahre, sie selbst 22 Jahre alt, als das Fallbeil das Leben von Anneliese Knoop-Grafs Bruder Wilhelm am 12. Oktober 1943 beendete. Vor etwa 300 Göttinger Schülern berichtete die heute 84-Jährige, wie sie, die von den Kontakten ihres Bruders Wilhelm Graf zur Widerstandsgruppe der Weißen Rose zunächst kaum eine Ahnung hatte, von dem zum Tode Verurteilten dazu bestimmt wurde, „sein Andenken und Wollen aufrecht zu erhalten und weiterzutragen“.

Heer von Jasagern

Das tat Knoop-Graf jetzt in der Göttinger Geschwister-Scholl-Gesamtschule (KGS) – benannt nach den führenden Köpfen der „Weißen Rose“. Die Schwester des vor 65 Jahren Hingerichteten erläuterte ihrem gespannt lauschendem Publikum, wie groß der Konformitätsdruck in der NS-Zeit war: „Wehe dem, der aus der Reihe tanzte. Es bedurfte einer ganz gewaltigen Anstrengung, sich dem Nationalsozialismus zu widersetzen.“ Ihr Bruder habe dieses erstaunlich konsequent getan – ohne zunächst dafür verfolgt zu werden.

Das änderte sich schlagartig nach jener spektakulären Aktion am 18. Februar 1943, als Sophie und Hans Scholl in der Münchener Universität von einer Empore hitlerfeindliche Flugblätter herunterwarfen. Die beiden wurden festgehalten, zahlreiche Verhaftungen folgten, darunter auch die von Wilhelm Graf. Drei Besuche, jeder nicht länger als drei Minuten, wurden der Schwester zugestanden, bevor im Oktober der Tag der Hinrichtung kam. Knoop-Graf: „Er gab uns Kraft, nicht umgekehrt.“ Das Leben ihres Bruders sei ein Beispiel für Mut und Zivilcourage gewesen – „ein Neinsager in einem Heer von Jasagern“.

„Angst überwinden“

Vor der fesselnden Erzählung der Graf-Schwester hatte Schulleiterin Marion Jüttner-Hötker ihre Schüler zu eigenständigem Denken und Handeln aufgerufen: „Überwindet die Angst davor, für andere offen einzustehen.“





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